Baumann und Lenz: Die Congo-Expedition 1885-1887. - Erste neue Gesamtveröffentlichung

29. August 2011 um 13:32 Uhr

In meiner Reihe Sammlung von Afrika - Reisebeschreibungen
österreichischer Forschungsreisender erscheint nun als Band 8: Die österreichische Congo-Expedition von Oskar Baumann und Oskar Lenz 1885-1887. Die Berichte dieser wichtigen und einzigen Forschungsreise der Österreichischen Geographischen Gesellschaft sind in einzelnen Artikeln in den Mittheilungen der Geographischen Gesellschaft erschienen. Hervorzuheben sind die kartographischen Aufnahmen, die hier allerdings nicht wiedergegeben sind.

Univ.Prof. Ingrid Kretschmer, die auch meine Lehrerin bei meinem Universitätsstudium war, hat sich ausführlich damit beschäftigt und hat mir zu dieser Publikation ein Vorwort übermittelt. Leider ist Frau Prof. Kretschmer 2011 verstorben. In memoriam darf ich diese hervorragende Zusammenstellung dieser Reise hier veröffentlichen.

Die gesamten Reiseberichte können Sie als PDF Datei unter der Rubrik Afrika Bibliographie finden.

Paul Kainbacher



Die österreichische Kongo-Expedition 1885-1887

Ingrid Kretschmer (Wien)*

Inhalt
1. Die Reform der Afrika-Karte durch die französische Kar-tographie im 18. Jahrhundert
2. Das kartographische Bild Afrikas bis um 1860
3. Die Aufteilung Afrikas unter den Kolonialmächten bis 1914
4. Gebiete österreichischer Forschungsreisen in Afrika bis 1918
5. Die österreichische Kongo-Expedition 1885-1887
.1 Anlass, Ziele und Leitung der Expedition
.2 Finanzierung und Durchführung der Expedition
.3 Die Ergebnisse der Expedition
1. Literatur

1. Die Reform der Afrika-Karte durch die französische Kar-tographie im 18. Jahrhundert

Nach Kenntnis der Küsten Afrikas seit Beginn der Küstenerschlie-ßung (erste Umsegelung des Kontinents 1498) bildete sich in der Kartographie ein allgemeiner Typus von Afrika-Karten heraus, der bis 1700 verfolgt werden kann. Diese Karten wiesen ? da das Innere des Kontinents nach der Küstenentschleierung fast weitere 300 Jah-re großteils unerforscht blieb ? immer wiederkehrende Fehler und Gemeinsamkeiten auf (Betz, 2007), die erst durch das kritische Vorgehen französischer Kartenhersteller nach 1700 verbessert wur-den. Nun hatte man begonnen, gesichertes Wissen von tradierten Annahmen zu trennen und in Karten nur abgesicherte Daten aufzu-nehmen, wodurch grundlegende Fehler (auch in der West-Osterstreckung des Kontinents) erst im 18. Jahrhundert korrigiert wurden. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren jene Vorausset-zungen gegeben, um eine durchgreifende Korrektur des kartographi-schen Bildes Afrikas einzuleiten, wie die Abstützung geographi-scher Informationen auf astronomische Ortsbestimmung und die kri-tische Verwertung von Distanzangaben.

Die größten Fortschritte in der Korrektur des kartographischen Bildes Afrikas erzielte zunächst die damals führende französische Kartographie. Es erfolgte eine Berichtigung der äußeren Gestalt des Kontinents durch G. Delisle, der in seiner Karte ?L`Afrique...? (Pa-ris 1700) die Ausdehnung des Mittelmeeres (und damit auch der Nordküste Afrikas) erstmals auf seine wahre Länge von 42 Längen-graden reduzierte und auch erstmals Quelle und Oberlauf des Blau-en Nils richtig darstellte. Der Weiße Nil erschien allerdings auf die-ser Afrika-Karte noch als schmaler Nebenfluss des Blauen Stromes, südlich von diesem in Abessinien entspringend. Auf seiner Afrika-Karte von 1722 gewann aber der Nyassa-See bereits seine charakte-ristische Form. Kurz darauf entwarf der Franzose J. B. Bourguignon d`Anville 1727 seine erste kleine Afrika-Karte, auf die sich auch ei-ne neue Darstellung des Kontinents (ca. 1:19 Mill.) des deutschen Mathematikers M. Haase 1737 stützt. Das Gewässernetz ist nun grundsätzlich reformiert, die Quellseen des Weißen Nils sind ? da nicht erkundet ? nicht dargestellt. Der Kongo, früher mit dem Nil verbunden, ist ein selbständiger Strom. Eine bahnbrechende Leis-tung vollzog dann wieder der Franzose d`Anville mit seiner kritisch erstellten Karte ?Afrique? (ca. 1:8,3 Mill., Paris 1749). Diese Karte zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass er die damals noch weni-gen astronomisch festgelegten Punkte durch meisterhaften Einbau von Entfernungsangaben ergänzte und für den Inhalt überlieferte Angaben mit neuen Erkundungen verglich. Schon der große Maß-stab übertraf alle bis dahin üblichen Darstellungen des Kontinents und ermöglichte die Aufnahme aller gesicherten Details. Völlig un-erforschte Gebiete blieben weiß. Das Nilsystem wurde neu gestaltet. Er führte z. B. den Gazellenfluss weit vom Westen her dem Nil zu und behauptete ? in dem er sich die ganze damalige Gelehrtenwelt zu Gegnern machte ? dass die Quellen des wahren (Weißen) Nils noch unbekannt seien. Unter kritischem Abstützten auf C. Ptole-mäus teilte er dem damals noch kaum erkundeten Bahr el-Abiad (Weißer Nil) die Rolle des ptolemäischen Hauptstromes zu und ließ diesen aus zwei Seen entspringen. Charakteristisch dargestellt sind auch die bereits im Altertum bekannten Krümmungen des Nillaufes.
Das neue Bild des Inneren des afrikanischen Kontinents fand zu-nächst bei seinen Zeitgenossen wenig Anklang. Erst später stellte sich heraus, dass er seiner Zeit weit vorausgeeilt war. Seine kritische Afrika-Karte, die für Jahrzehnte unerreicht blieb, hatte durch das Aufzeigen der unerforschten Räume den Weg für eine systematische Erforschung des Inneren Afrikas gewiesen. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde nun die Afrikaforschung einem Konzept unterworfen, dessen Anfänge von Großbritannien ausgingen.

2. Das kartographische Bild Afrikas bis um 1860

Im Jahr 1788 erfolgte aus wissenschaftlichen wie auch handelspoli-tischen Motiven in London die Gründung der ?Association for pro-moting the discovery of the interior parts of Africa? (?African Association?), da ? mit Ausnahme von Ägypten und Abessinien ? die Kenntnisse der Europäer kaum weiter als 400 bis 600 km land-einwärts vorgedrungen waren. Nach den Epoche machenden Welt-reisen von James Cook 1769-1779, womit geographische Entde-ckungen wissenschaftlich wie praktisch erhöhte Bedeutung gewan-nen und das öffentliche Interesse an der Erdkunde in hohem Grade gestiegen war, konnte das Wirken einer ?African Association? er-folgreich verlaufen. Ab nun fasste man in England bestimmte geo-graphische Probleme (z. B. das Nigerproblem) konkret ins Auge und ging bei ihrer Lösung ? um weder Zeit noch Geld zu vergeuden ? planmäßig vor. Die beauftragten Forschungsreisenden, nun spezi-ell wissenschaftlich vorgebildet, hatten ein geographisches Problem zu lösen, wobei die Entschleierung der hydrographischen Verhält-nisse in Innerafrika den Gang der Entdeckungsgeschichte beherrsch-te. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts tauchte der Gedanke großer Durchkreuzungen des Kontinents wiederholt auf.
Trotz eindrucksvoller Leistungen englischer Reisender, die im westlichen Nordafrika das System des Senegals von jenem des Ni-ger-Benue einerseits und von dem Einzugsgebiet des Tschadsees adererseits abzugrenzen begannen, zeigte aber die im Jahr 1802 in London von A. Arrowsmith bearbeitete große Karte ?Africa? (ca. 1:6,7 Mill.), wie dürftig die europäischen Kenntnisse Innerafrikas zu diesem Zeitpunkt immer noch waren. Bis 1830 war aber ? nachdem ein Wettstreit zwischen britischen und französischen Reisenden ent-brannt war ? das Nigerproblem in seinen Grundzügen gelöst und ei-ne erste wichtige Periode afrikanischer Entdeckungsgeschichte ab-geschlossen. Die rasche und rückhaltlose Publikation der Berichte der Forschungsreisenden bot der Kartographie eine neue Quellen-gruppe an, die sich in neuen Afrika-Karten niederzuschlagen be-gann. So war auch die Geographische Anstalt Justus Perthes in Go-tha bestrebt, der 1. Auflage von A. Stielers ?Hand-Atlas? (1823) ei-ne Afrika-Karte damals neuesten Standes beizugeben. Dieses zeigte erstmals die richtige Nigermündung noch vor dem endgültigen Rei-sebeweis, doch war das kartographische Bild des tropischen Afrika noch höchst unvollkommen. Kurze Zeit nach Erscheinen dieser Kar-te fasste der deutsche Geograph Carl Ritter das damals bekannte Wissen über den noch immer dunklen Erdteil in seinem ?Atlas von Afrika? (14 Blätter, Berlin 1825-1831) wissenschaftlich zusammen.
Gleichzeitig hatten die nun neu gegründeten Geographischen Ge-sellschaften (z. B. 1821 Paris, 1828 Berlin, 1830 London, 1845 St. Petersburg, 1852 New York, 1856 Wien) breites Interesse an der Afrika-Forschung geweckt und die Verfolgung dieser Bestrebungen in ihr Aufgabengebiet aufgenommen, so dass z. B. 1831 die ?Afri-can Association? in London in der Royal Geographical Society auf-ging. Aber um 1860 war Afrika noch immer der dunkle Kontinent, dessen Hydrographie ? mit Ausnahme des Niger und des unteren Nils ? und Orographie weiterhin unbekannt waren.

3) Die Aufteilung Afrikas unter den Kolonialmächten bis 1914

Seit den Entdeckungsfahrten im 15. Jahrhundert unterhielten Portu-gal und Spanien, später auch Frankreich, Großbritannien und die Niederlande an den Küsten Afrikas und deren vorgelagerten Inseln Stützpunkte, die hauptsächlich dem Seeverkehr und dem Handel (mit Elfenbein, Tropenholz, aber auch Sklaven) dienten.
Die Reisenden der planmäßigen Afrikaforschung der Großmächte verfolgten zwar wissenschaftliche Ziele, doch nach 1870 wurden diese auch mit wirtschaftlichen und zuletzt politischen Interessen ih-rer Auftraggeber verbunden. Die ersten Kolonialisierungsversuche Afrikas begannen in den gemäßigten Gebieten in Süden und Nor-den: Besetzung von Kapland durch Großbritannien 1806 (1815 end-gültig britisch), 1830 Besetzung von Algerien durch Frankreich. Nach Eröffnung des Suezkanals 1869 rückte auch Ostafrika näher an Europa.

Nachdem der amerikanische Journalist Henry Morton Stanley (1841-1904) mit der Erforschung des Kongobeckens in den Jahren 1874 bis 1877 einen weiteren weißen Fleck auf der Landkarte Afri-kas getilgt hatte, nahm Anfang der 1880er Jahre das europäische In-teresse an Afrika stark zu. Im Jahr 1876 gründete Leopold II., Kö-nig von Belgien, eine ?Commission internationale d`exploration et de civilisation de l`Afrique centrale?, die sich die Erschließung Zentralafrikas zum Ziele setzte und in deren Folge in zahlreichen europäischen Staaten ?Afrikanische Gesellschaften oder Vereine? gegründet wurden. 1878 entstand die ?Internationale Kongo-Gesellschaft?, die wirtschaftliche Ziele verfolgen sollte. In den Jah-ren 1879 bis 1884 reist Stanley als Abgesandter Leopold II. erneut in den Kongo, mit dem geheimen Auftrag, den Kongostaat zu orga-nisieren. Es begann ein neuer ?Wettlauf um Afrika? zwischen den europäischen Mächten. Zwischen 1881 und 1884 besetzten Frank-reich, Großbritannien und Italien große Teile von Afrika. Im Jahr 1884 unterstellte das damalige Deutsche Reich Togo, Kamerun und Südwestafrika, später Deutsch-Südwestafrika genannt, und 1886 Deutsch Ostafrika seinem Schutz.
Schließlich gelang es Leopold II. von Belgien, Frankreich und Deutschland davon zu überzeugen, dass ein gemeinsames Handeln in Afrika von allgemeinem Interesse sei. Der deutsche Reichskanz-ler, Otto von Bismarck, lud daher die Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika, des Osmanischen Reiches und der europäi-schen Mächte (auch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie) zu einer Konferenz nach Berlin ein. Diese ?Kongokonferenz? fand vom 15. November 1884 bis 26. Februar 1885 statt und sollte vor allem die Handelsfreiheit am Kongo und am Niger regeln. Ihr Schlussdokument, die ?Kongoakte?, bildete aber die Grundlage für die Aufteilung Afrikas in Kolonien. Dies hatte zur Folge, dass ab dem Frühjahr 1885 der politische Wettlauf um Afrika an Tempo zu-nahm und innerhalb weniger Jahre Afrika südlich der Sahara zu-mindest nominell aufgeteilt war. Bis 1895 waren neben Abessinien (Äthiopien) nur noch Liberia (ab 1847 eigener Staat frei gelassener US-amerikanischer Sklaven) und die Burenstaaten Oranje-Freistaat und Transvaal unabhängig. Der größte Teil der Sahara wurde fran-zösisch, der Sudan nach Niederschlagung des Mahdi-Aufstandes britisch. Die Burenstaaten wurden im Burenkrieg 1899 bis 1902 von Großbritannien erobert, Marokko zwischen Frankreich und Spanien 1911 geteilt, Libyen 1912 von Italien eingenommen. Die offizielle Annexon Ägyptens 1914 durch Großbritannien schloss die koloniale Aufteilung Afrikas ab. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 stand mit Ausnahme von Liberia und Äthiopien ganz Afrika unter europäischer Herrschaft.

4. Gebiete österreichischer Forschungsreisen in Afrika bis 1918

Nachdem Vertreter von Österreich-Ungarn im September 1876 auf Einladung Leopold II. in Brüssel an jener Konferenz teilgenommen hatten, die die Internationale Afrikanische Gesellschaft begründete, entstand als nachgegliedertes Nationalkomitee noch 1876 auch in Wien eine ?Afrikanische Gesellschaft?, die nach der Berliner ?Kon-gokonferenz? im April 1885 auf Antrag von Oskar Lenz aber aufge-löst wurde (Kratochwill, 1991).
Die Österreichisch-Ungarische Monarchie war in den Jahren 1884/1885 auch offizieller Teilnehmer der ?Kongokonferenz? in Berlin und Mitunterzeichner der ?Kongoakte?, doch verfolgte dieser Staat keinerlei Kolonialpolitik. Österreich-Ungarn erstrebte und be-saß keine Kolonien, weder in Afrika noch in anderen Teilen der Welt. Die Ziele österreichisch-ungarischer Forschungsreisender wa-ren wissenschaftlicher Natur. Sie beteiligten sich nachweislich mas-siv an der Lösung der großen geographischen Probleme der Zeit.

In Afrika nahmen Vertreter des Österreichischen Kaiserstaates (ab 1804), bzw. der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (ab 1867) ab Beginn des 19. Jahrhunderts Forschungsreisen auf, die nach Gründung der k.k. Geographischen Gesellschaft in Wien (1856) auch von dieser finanziell unterstützt oder organisiert wurden. Nach 1820 wurden folgende Gebiete Afrikas Forschungsziele:
- das Nilgebiet (nach 1827) und der Sudan (ab 1835)
- Gabun (1874 bis 1877)
- Südafrika (1872 bis 1887)
- Sahara (1879 bis 1881)
- Kongogebiet (1885 bis 1887)
- Ostafrika (1887 bis 1912).
Seit den frühen 1880er Jahren wandten sich österreichische Geo-graphen auch der Dokumentation der Afrikaforschung zu (Pau-litschke, 1882, Chavanne, 1883).

Im einzelnen sind die österreichischen Forschungsreisen, deren Zie-le und Ergebnisse bei Kretschmer (1988 und 2006) aufgelistet. Sei-tens der k.k. Geographischen Gesellschaft in Wien wurden folgende Forschungsreisen und Expeditionen in Afrika durch Reisesubven-tionen und (oder) Publikation von Ergebnissen unterstützt:
1) Die Reisen des Wiener Zoologen Ernst Marno (1844-1883) im Nilgebiet und Sudan 1866 bis 1883, unternommen mit Hilfe von Sondersubventionen durch Kaiser Franz Joseph und Kronprinz Rudolf ab 1874 und mit Reiseunterstützun-gen seitens der k.k. Geographischen Gesellschaft ab 1875. Durch Marno wurde erstmals der Bahr el-Zeraf (Giraffen-fluss) bekannt, wichtige Daten über Kordofan gesammelt, 1881 der Bahr el-Abiad (Weißer Nil) von den die Schiff-fahrt seit 1878 lahm legenden Pflanzenbarren befreit und 1882 der Bahr el-Ghazal zugänglich gemacht.
2) Die Reisen des aus Böhmen stammenden Arztes Emil Ho-lub (1847-1902) in Südafrika 1872 bis 1887 mit maßgebli-cher finanzieller Unterstützung der k.k. Geographischen Gesellschaft ab 1877 und weiterer Mäzene. Holub er-forschte auf drei Reisen das Betschuanaland und Transvaal und gelangte bis zum Sambesi und den Viktoriafällen. Sei-ne letzte Expedition (1882 bis 1887), geplant als Durch-querung Afrikas von Kapstadt bis Kairo, scheiterte an der Feinseligkeit der eingeborenen Bevölkerung im Gebiet des mittleren Sambesi. Zahlreiche naturwissenschaftliche und ethnologische Objekte wurden nach Europa verschifft.
3) Die österreichische Kongo-Expedition unter Oskar Lenz (1848-1925) und Oskar Baumann (1864-1899) in den Jah-ren 1885 bis 1887, an der sich die k.k. Geographische Ge-sellschaft in namhafter Weise aus eigenen Mitteln beteilig-te. Ihre Ziele, Durchführung und Ergebnisse werden im nächsten Kapitel im Detail ausgeführt.
4) Die Ostafrika-Expedition unter Samuel Graf Teleki (1845-1916) und Ludwig von Höhnel (1857-1942) in den Jahren 1887 bis 1888. Diese von Graf Teleki privat finanzierte Expedition erschloss rund 250.000 km2 damals völlig un-erforschten Gebietes im Nordteil der ostafrikanischen Seenhochländer. Nach Besuch des Kilimandscharo und Mt. Kenia querte sie das damals feindliche Kikujuland auf ei-ner neuen Route, erreichte den damals wenig bekannten Baringosee, entdeckte zwei neue Seen (Rudolf- und Ste-phaniesee) im damals gänzlich unerforschten Grenzgebiet zwischen Kenia und Äthiopien und trug wertvolle Be-obachtungen zur Erkenntnis des ostafrikanischen Grabens bei.
5) Die weiteren Reisen des Wieners Oskar Baumann, die zwar in Diensten des deutschen Forschungsreisenden Hans Meyer oder im Auftrag der Deutsch Ostafrikanischen Ge-sellschaft erfolgten, deren neue topographische und thema-tische Karten von Usambara und seiner Nachbargebiete im heutigen Tansania aber teilweise in Wien erschienen, wäh-rend die kartographischen Ergebnisse seiner 1891 bis 1893 durchgeführten ?Massai-Expedition? in Gotha herauska-men. Durch Baumann gelang 1895 die Wiedererrichtung des österreichisch-ungarischen Konsulats in Sansibar sowie die kartographische Aufnahme des Pangani-Flusses und der Insel Sansibar.
6) Die meist privat finanzierten Reisen von Mitgliedern der k.k. Geographischen Gesellschaft nach Abessinien, sowie in die Galla- und Somali-Länder in der Periode 1880 bis 1906. Zahlreiche Routen von Gelehrten, wie Anton Stecker (1855-1888), österreichischer Adeliger (z. B. Kamel von Hardegger, Graf Ernst Hoyos jun., Graf Richard Couden-hove, Graf Eduard Wickenburg) oder Forschungsreisender (z. B. Philipp Paulitschke und Julius Bieber) durchquerten diesen Raum und trugen zur topographischen, kartographi-schen und ethnographischen Erschließung bei.

Österreichische Forscher und Reisende standen ab 1874 aber auch im Dienst ausländischer Auftraggeber. Zu diesen zählte beispiels-weise auch Oskar Lenz (Gabun, 1874 bis 1877), ebenso wie Oskar Baumann (Usambara und Nachbargebiete 1890, ?Massai-Expedition 1891-1893, Pangani 1895) oder Franz Seiner (Deutsch Südwestafri-ka, 1905/1906, 1910 bis 1912).

4. Die österreichische Kongo-Expedition 1885 bis 1887

5.1 Anlass, Ziele und Leitung der Expedition
Die österreichische Kongo-Expedition ist im Rahmen der genannten gesamteuropäischen Entwicklungen zu sehen. Mitte der 1880er Jah-re konzentrierte sich ?ein neues Zeitalter der Entdeckungen? ? ne-ben den Polarregionen ? auf die Erforschung des Kontinents Afrika, der damals noch viele ungelöste geographische Fragen aufwies. Zu diesen zählten insbesondere die Entschleierung der Hydrographie des tropischen Innerafrika, vor allem der Regionen zwischen Kongo und Weißem Nil. Die viel gesuchten Quellen des Weißen Nil waren noch nicht gefunden.

Elf Jahre nach glücklicher Vollendung der österreichisch-ungarischen Polarexpedition (1872-1874), in deren Rahmen im Jahr 1873 das Franz Josef Land entdeckt wurde, rief daher die k.k. Geo-graphische Gesellschaft in Wien wieder zu einer wissenschaftlichen Expedition auf. Die Anregung dazu ging von dem damaligen Vize-präsidenten der Gesellschaft, Leopold Freiherrn von Hofmann aus, der diese vorschlug, nachdem sich zwischen 1884 und 1885 die Zahl der Gesellschaftsmitglieder durch aktive Maßnahmen um 687 erhöht und damit einen Stand von 1.594 erreicht hatte (Kretschmer 2006, S. 79). Die k.k. Geographische Gesellschaft in Wien war fi-nanziell gekräftigt. Diese Anregung fand die Zustimmung des Vor-standes und schon im April 1885 erging in den ?Mittheilungen der k.k. Geographischen Gesellschaft? der ?Aufruf zur Beitragsleistung für die österreichische Congo-Expedition?, deren Kosten auf 25.000 Gulden geschätzt wurden.

Der geplanten Expedition wurden folgende drei Ziele gesetzt:
1) Durch Erforschung der Länder zwischen dem Kongo und dem Weißen Nil, insbesondere der Wasserscheide zwi-schen diesen beiden Stromsystemen, im Rahmen der all-gemeinen Afrikaforschung einen Beitrag zu leisten.
2) Den Versuch zu unternehmen, jenen Reisenden zu Hilfe zu kommen, die seit mehreren Jahren im oberen Nilgebiet verschollen waren. Dies betraf die verdienten Afrikafor-scher Wilhelm Junker (1840-1892), Emin Pascha (Dr. Eduard Schnitzer, 1840-1892) und Gaetano Casati (1838-1902). Diesen im Gebiet des Weißen Nil arbeitenden und reisenden Forscher war durch den Aufstand des Mahdi (Mohammed Achmed), Führer der Aufständischen im ägyptischen Sudan, dem 1885 auch Khartum in die Hände fiel, der Reiseweg abgeschnitten, so dass jede Nachricht nach Europa unterblieben war.
3) Im bereisten Gebiet geodätische Arbeiten und Kartenauf-nahme durchzuführen, um Originalkarten des Reisegebie-tes konstruieren zu können.

Die Realisierung der Expedition wurde sofort in Angriff ge-nommen, nachdem sich der frühere (1883) Generalsekretär der k.k. Geographischen Gesellschaft, Dr. Oskar Lenz (1848-1925), bereit erklärt hatte, die Leitung der Kongo-Expedition zu über-nehmen. Lenz hatte an der Universität Leipzig Naturwissen-schaften, vor allem Mineralogie und Geographie studiert und 1870 das Doktorat erworben. Anschließend als Lehrer in Wien tätig, war er 1872 als Geologe in die Geologische Reichanstalt eingetreten und hatte südliche und östliche Gebiete der Monar-chie geologisch aufgenommen. In den Jahren 1874 bis 1877 führte er im Auftrag der Deutschen Afrikanischen Gesellschaft in Berlin geologische Arbeiten in Westafrika (Gabun), haupt-sächlich im Gebiet des Flusses Ogoue aus und hatte damit erste Expeditionserfahrungen in Afrika gewonnen. Noch größere Er-folge brachte seine zweite Afrika-Reise in den Jahren 1879 bis 1881 von Tanger über das Atlasgebirge durch die Sahara und den Sudan, wobei er auch die Stadt Timbuktu im Nigerbecken erreichen konnte. Obwohl im Jahr 1885 zum Professor der Ge-ographie an der Universität in Czernowitz (heute Ukraine) er-nannt, stellte er sich - Mitglied der k.k. Geographischen Gesell-schaft seit 1872, Ehrenmitglied seit 1881 ? spontan für die Füh-rung der Kongo-Expedition zur Verfügung, womit dieses öster-reichische Unternehmen die best mögliche Führung erhielt. Nö-tig war im April 1885 aber die Zustimmung des Königs von Belgien, Leopold II., und die Unterstützung des damaligen Prä-sidenten des Kongostaates (Oberst Strauch).
Lenz wählte nur einen einzigen Begleiter aus der Heimat, nämlich den damals jungen Lehramtskandidaten und Leutnant i. d. Reserve Oskar Baumann (1864-1899). Dieser hatte an der Universität Wien Geographie und Naturwissenschaften studiert und am Militärgeographischen Institut gearbeitet, wo er insbe-sondere von Robert Freiherr von Sterneck in astronomischer Ortsbestimmung und topographischer Aufnahme geschult wor-den war. Bereits 1883 hatte er Erfahrungen in der Erforschung der Durmitorgruppe in Montenegro gewonnen. Baumann ent-warf das Konzept der geodätischen Arbeiten für die Kongo-Expedition, denn ihm oblagen astronomische Ortsbestimmung, Routenaufname und meteorologische Beobachtungen. Lenz wollte die geologischen und ethnographischen Arbeiten durch-führen.

.2 Finanzierung und Durchführung der Expedition
Der Aufruf an die Mitglieder der k.k. Geographischen Gesell-schaft hatte großen Erfolg. In rund 2 Monaten konnten in der gesamten Österreichisch-Ungarischen Monarchie über 20.000 Gulden gesammelt werden. Zu diesem Betrag trugen nicht nur großzügige Spenden des Kaisers Franz Joseph und des Kron-prinzen Rudolf, sondern auch weiterer vier Erzherzöge, sowie von Adeligen ((Rothschild, Wilczek, Liechtenstein u.a.) ent-scheidend bei. Auch die damals in Wien noch bestehende ?Af-rikanische Gesellschaft?, das Ministerium des Äußeren, der Gemeinderat der Stadt Wien und viele Firmen stellten sich mit Beiträgen ein. Innerhalb von nur drei Monaten war die Expedi-tion reisefertig.

Lenz und Baumann verließen Wien am 15. Juni 1885 und schifften sich am 30. Juni auf dem Dampfer ?Carl Wörmann? in Hamburg zur Reise nach Westafrika ein. Der Seeweg berührte zahlreiche westafrikanische Häfen und nach 44 Tagen auf See landete die Expedition am 13. August 1885 an der Kongomün-dung in Banana, wo der Ausgangspunkt der Forschungsreise war. Am 30. August fuhr man auf dem Fluss bis Ango-Ango (portg. Faktorei) gegenüber Vivi. Hier musste aber ein erster längerer Aufenthalt genommen werden, bis es dem Expediti-onsmitglied Oskar Baumann gelang, Träger für den Transport der Vorräte und die nötigen Tauschartikel für die Expedition zu erhalten. Erst am 1. November konnte man die Fahrt nach dem Stanley-Pool (heute Malebo Pool) antreten, sodass man erst ge-gen Ende November in Leopoldville (heute Kinshasa) eintraf. Hier erhielt die Expedition vom Gouverneur des Kongostaates die Erlaubnis, den Dampfer ?Stanley? für die Weiterfahrt auf dem Kongo bis zu den Stanley-Fällen (heute Ngaliema Falls) benützen zu dürfen. Außerdem wurde der Expedition als weite-res Mitglied Herr Bohndorf, ein Begleiter von Junker im äqua-torialen Afrika, als Dolmetscher beigegeben. Die Expedition verließ Leopoldville am 29. Dezember 1885 und erreichte die Äquatorstation am 14. Jänner 1886. Insgesamt dauerte die Fahrt auf dem Kongo flussaufwärts von Leopoldville bis zu den Stan-ley Fällen, wo man am 14. Februar 1886 eintraf, 48 Tage. Diese Station war zu Beginn des Jahres 1886 der letzte Außenposten für die Formierung von Trägerkolonnen. Lang dauernde Ver-handlungen für weitere Unterstützungen und eine unklare Si-cherheitslage bedingten einen weiteren mehrwöchigen Aufent-halt der Expedition. Während dieser Zeit erkrankte Oskar Baumann so schwer, dass er die Reise nicht planmäßig mit Lenz fortsetzen konnte. Um die Gesamtexpedition nicht zu ge-fährden, musste Oskar Baumann zur Erholung zurückbleiben.
Lenz versuchte, seinen vorgesehenen Weg Richtung Nordos-ten fortzusetzen, doch stellten sich ihm immer mehr unüber-windbare Hindernisse in den Weg, sodass er seine Route Rich-tung Südosten abändern musste. Er reiste entlang des Lualaba und erreichte am 1. Juni Kasongo. Hier grassierte 1886 die ge-fährliche Blatternkrankheit, die auch unter den Trägern der Ex-pedition ausbrach und die persönlichen Diener von Lenz und Bohndorf hinwegraffte. Man brach daher am 30. Juni Richtung Tanganjikasee auf. Nach Durchquerung einer parkartigen Hochebene und Überschreitung des Gebirges erreichte die Ex-pedition am 7. August 1886 das Westufer des Tanganjikasees. Auf der nahe im See gelegenen Insel Kavala besuchte Lenz die Missionsstation der London Church Mission, wo man auch ge-naue Studien über den See anstellte. Die Überfahrt an das östli-che Ufer des Sees nach Udschidschi (Ujiji) erfolgte am 15. Au-gust. Hier ließen die kriegerischen Unternehmungen der Araber ein weiteres Vordringen nach Norden nicht zu. Daher beschloss Lenz, den Weg an die Ostküste Afrikas über den Nyassa-See (heute Malawisee) einzuschlagen. Für diese Routenänderung sprach auch die schwere Erkrankung Bohnsdorfs, der fast ge-lähmt auf einer Tragbahre an die Küste transportiert werden musste.
Die Expedition fuhr daher zum Südende des Tanganjikasees und trat von hier aus den Landweg zum Nyassa-See an. Nach Überschreitung der Wasserscheide zwischen Kongo und Sam-besi erreichte man den Nyassa-See am Nordende bei Karonga. Diesen See befuhr Lenz bis zum Südende, folgte dem Schire-fluss und gelangte schließlich an der Mündung des Sambesi bei Quelimane an die Ostküste Afrikas (Straße von Mosambik). Von hier trat er die Seereise zunächst nach Sansibar und von dort nach Alexandria und Triest an. Am 9. April 1887 langte die österreichische Kongo-Expedition nach rund 22 Monaten am Wiener Südbahnhof an. Bei der Rückkehr wurde Lenz, dem mit dieser Reiseroute die neunte Durchquerung des tropischen Afrika gelungen war, von der k.k. Geographischen Gesellschaft ein enthusiastischer Empfang bereitet. Auch ein ?Times?-Korrespondent war beim Empfang anwesend. Am 19. April 1887 veranstaltete die k.k. Geographische Gesellschaft im Festsaal der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften eine außerordentliche Sitzung, um den Bericht des Leiters der öster-reichischen Kongo-Expedition, Oskar Lenz, entgegenzuneh-men. An dieser nahmen auch Kronprinz Rudolf und Erzherzog Rainer teil. Noch 1887 wurde Lenz zum ordentlichen Professor der Geographie an der Deutschen Universität Prag ernannt, wo er als Nachfolger von D. Grün wirkte, ein Geographisches Insti-tut einrichtete und eine Lehrtradition begründete. Im Jahr 1918 wurde ihm noch von der k.k. Geographischen Gesellschaft in Wien deren höchste Auszeichnung, die ?Franz von Hauer-Medaille? verliehen.
Oskar Baumann trat nach längerer Rekonvaleszenz in Stanley Falls die Rückreise an die Westküste Afrikas über den Kongo an. Während der Flussfahrt in beide Richtungen kartierte er den Verlauf des mittleren und unteren Kongo sehr genau, so dass eine bedeutende, bis in jüngste Zeit kaum überholte Flusslauf-karte entstand. Im Herbst des Jahres 1886 unternahm er auf ei-gene Faust die Erforschung der waldreichen und gebirgigen In-sel Fernando-Póo (heute Bioko) im Golf von Guinea. Es gelang ihm, eine Aufnahme der noch wenig bekannten Insel durchzu-führen und deren Urbevölkerung, die Bube, zu studieren. Nach-dem er anschließend noch durch mehrere Monate in den Biblio-theken und Archiven in Madrid und Lissabon Material über Fernando-Póo gesucht und studiert hatte, kehrte er im Frühjahr 1887 in die Heimat zurück. Im Jahr 1888 erwarb er an der Uni-versität Leipzig das Doktorat. Nach weitern Forschungsreisen in Ostafrika (Usambara und Nachbargebiete 1890, ?Massai-Expedition 1891-1893) wurde ihm von der k.k. Geographischen Gesellschaft in Wien die ?Franz von Hauer-Medaille? verlie-hen. Nachdem er 1896 noch als österreichisch-ungarischer Konsul in Sansibar tätig war, starb er mit 35 Jahren 1899 an den Folgen einer tückischen Infektionskrankheit in Wien.

Im Jahr 1888 erschien in den ?Mittheilungen der k.k. Geogra-phischen Gesellschaft? die Kostenaufstellung der österreichi-schen Kongo-Expedition für die Periode von 1885 bis zur gänz-lichen Abwicklung im Jahr 1888. Die Expedition hatte insge-samt 34.798 Gulden gekostet, wobei die über die Subventionen und Spenden hinausgehende Summe von der k.k. Geographi-schen Gesellschaft getragen wurden.

.3 Die Ergebnisse der Expedition
Ein gesamtes Reisewerk der österreichischen Kongo-Expedition o-der eine zusammenfassende wissenschaftliche Analyse sind nicht erschienen.
Während der fast zweijährigen Expeditionsdauer übermittelten Oskar Lenz und Oskar Baumann jedoch laufend Briefe über den Expeditionsverlauf an die k.k. Geographische Gesellschaft, die zwi-schen 1885 und 1887 in den ?Mittheilungen? (MGG) abgedruckt wurden. Auch alle Originalkarten und Landesbeschreibungen sind hier erschienen und werden in diesem Band reproduziert.
Da die Expeditionsroute vom Kongo nach Nordosten aus Sicher-heitsgründen nicht verfolgt werden konnte, konnte auch die Frage der Wasserscheide zwischen Kongo und Weißem Nil (Uelle-Frage) nicht in Angriff genommen werden. Die Expedition folgte unter der Leitung von Oskar Lenz einer damals weniger bekannten Reiseroute nach Südosten und verband damit im Verlauf der zehnten dokumen-tierten Querung des tropischen Afrika von Westen nach Osten den Kongolauf mit den ostafrikanischen Seen. Zu den Ergebnissen zäh-len Einzelstudien (Beschreibung des Landes und der Bewohner) und vor allem Originalkarten, die Oskar Baumann einerseits während unvorhergesehener Zwischenaufenthalte, andererseits während der Fahrt mit dem Dampfer ?Stanley? bis zu den Stanley-Fällen und zu-letzt im Verlauf seiner Rückkehr an die Westküste Afrikas aufge-nommen hatte.

Diese wertvollen österreichischen Originalkarten des Kongolau-fes, die bis in jüngere Zeit unüberholt waren, seien hier kurz darge-stellt:
1) ?Umgebung von Ango-Ango im Anschlusse an Vivi am Kongo, nach Routenskizzen und Beschreibungen des Mit-gliedes der Österr. Kongo-Expedition Oskar Baumann, zu-sammengestellt und entworfen von k.k. Major v. Sterneck und Hauptmann J. Brüch?. Maßstab ca. 1:60.000. Photo-lithographie und Schnellpressendruck des k.k. milit. geogr. Institutes Wien. In: MGG, 29, 1886, Taf. III.
Im September 1885 musste sich die Expedition zwecks Rekrutierung von Trägern längere Zeit in Ango-Ango auf-halten, so dass Baumann während dieser Zeit fünf Routen in die Umgebung mit Kompass und Uhr aufnehmen und rasch topographisches Material nach Wien einsenden konn-te. Robert von Sterneck übernahm im Militärgeographi-schen Institut die rasche Ausarbeitung und Drucklegung der Karte im Stil der damaligen österreichischen Mili-tärkartographie (Höhenlinien mit 20 m Äquidistanz und Böschungsschraffen, Bodenbedeckungssignaturen), so dass diese erste Originalkarte bereits im März 1886 in Wien er-schien.

2) ?Route von Ango-Ango nach Leopoldville, aufgenommen von Oskar Baumann, Mitglied der von Professor Dr. Oskar Lenz geleiteten österreichischen Kongo-Expedition. Nach dem eingesendeten Aufnahms Materiale zusammengestellt und die Routen vorangegangener Forschungsreisender in diesem Gebiete mit demselben möglichst in Übereinstim-mung gebracht?. Maßstab 1:400.000. Zusammengestellt und entworfen von Major R. v. Sterneck und Hptm. J. Brüch. Gezeichnet von Hptm. F. Stefan. Mit zwei Neben-darstellungen: Ansicht des Berges Manga Bidi südlich von Lukande, Plan von Leopoldville am Stanleypool. In: MGG, 29, 1886, Taf. VII. Lithographie.
Nachdem in Ango-Ango die benötigten Träger nicht zu be-kommen waren, wurde Baumann in die Baptisten-Missionsstation Ngombe (Leopoldville) entsandt, um dort die nötigen Träger anzuwerben. Er legte zwischen 24. Sep-tember und 22. November 1885 die Strecke von Ango-Ango bis Leopoldville in 42 Marschtagen drei Mal zurück und konnte diese wieder genau mit Kompass und Uhr auf-nehmen. Ende Februar 1886 langte das sorgfältig erstellte Aufnahmematerial in Wien ein, wurde mit anderen For-schungsmaterialien verglichen und bereits im Oktober 1886 lag die gedruckte Originalkarte über eine rund 240 km lange Route vor, bei der man ? da zu anderen Angaben beträchtliche Unterschiede bestanden ? an der Originalauf-nahme Baumanns unbedingt festhielt. Baumann lieferte auch vorzügliche astronomische Beobachtungen, so dass diese Originalkarte als ein auf dem Meridian von Green-wich basierendes Gradkartenblatt ausgeführt werden konn-te. Die ebenfalls auf dem Blatt enthaltenen Nebendarstel-lungen, die Ansicht des Mango-Bidi-Berges und der Um-gebungsplan von Leopoldville basieren auf Originalzeich-nungen Baumanns.

3) ?Karte des Congostromes zwischen Kasonge und der Stati-on der Stanleyfälle. Originalaufnahme des Leiters der ös-terreichischen Congo-Expedition Professor Dr. Oskar Lenz (auf die Hälfte reducirt)?. Maßstab 1:1,130.000. Kar-togr.lith. Anst. V. G. Freytag & Berndt, Wien. In: MGG, 29, 1886, Taf. VIII. Zweifarbenlithographie.
Nach Erreichen der Stanley-Fälle im Februar 1886 entstand nach den Aufnahmen von Oskar Lenz eine Flusslaufkarte, die die Route der österreichischen Kongo-Expedition auf dem und entlang des Stromes in Übersicht darstellt.

4) ?Kartenskizzen der Stanley-Falls-Station und ihrer Umge-bung von Oskar Baumann:
- Stanley-Falls-Station am 26. April 1886?. Maßstab 1:1.500
- ?Nach Siwa ? Siwa`s Dorf. Ausflug am 3. Mai von Stan-ley-Falls aus?.
- ?Stanley-Fälle. 7. Katarakt?.
In: MGG, 30, 1887, Taf. II. Zweifarbenlithographie.
Oskar Baumann nutzte seinen krankheitsbedingten Aufent-halt in der Station Stanley-Fälle für die Aufnahme von Umgebungskarten.

1) ?Karte der Karawanen-Routen im Gebiete der Livingstone-Fälle des Unteren Congo. Aufgenommen und entworfen von Oskar Baumann. Nach den Original-Skizzen construirt und gezeichnet von k.k. Oberlieutnant Ladislaus Hrubant. Die von der Aufnahme nicht berührten Stromtheile nach F. A. Schran, der Stanley-Pool nach Comber.? Maßstab 1:400.000. Kart.lith. Anst. v. Th. Bannwarth, Wien. In: MGG, 30, 1887, Taf. VII. Mehrfarbenlithographie.
Im Frühsommer 1886 verließ Oskar Baumann die Station Stanley-Fälle und reiste flussabwärts über Leopoldville nach Boma, wo er am 18. August 1886 eintraf. Die vorlie-gende Karte entstand nach Aufnahme auf dem Strom und auf den von Baumann eingeschlagenen Landrouten. Sie enthält ausführliche Informationen über den Gewässerlauf, sowie über die Stationen der Europäer und die Siedlungen der Eingeborenen. Das Blatt ist eine erweiterte und ergänz-te Ausgabe der Karte ?Route von Ango-Ango nach Leo-poldville? mit Eintragung der Karawanenroute von Braz-zaville nach Boma, entlang der auch Höhenmessungen vorgenommen wurden. Anhand dieses Kartenblattes veröf-fentliche Baumann auch ?Beiträge zur physischen Geogra-phie des Congo?.

2) ?Karte des mittleren Kongo. Auf Grundlage der Original-Skizzen der oesterr. Kongo-Expedition, aufgenommen von Dr. Oskar Baumann, mit Benutzung der vorhandenen Quellen entworfen und gezeichnet von Paul Langhans.? Maßstab 1:400.000.

I. Blatt: 1. Abschnitt: Leopoldville ? Ngato, 2. Abschnitt: Tschumbiri ? Bunga mit 5 Nebenkarten der wichtigsten europäischen Niederlassungen1:200.000. Kartog..lith. An-stalt v. Th. Bannwarth, Wien. In: MGG, 31, 1888, Taf. VIII, Mehrfarbenlithographie.
Diese Karte bildet das erste Blatt der Flusslaufkarte des Kongo zwischen Stanley-Pool und Stanley-Fällen nach den Aufnahmen während der österreichischen Kongo-Expedition an Bord des Dampfers ?Stanley?. Diese fanden unter sehr widrigen Umständen statt, da der Dampfer keine Rücksicht auf topographische Aufnahmen nahm. Die Da-tenerfassung blieb daher fragmentarisch. Das Blatt kann von diesem Flussabschnitt damals bereits bestehende Kar-ten in größerem Maßstab nur ergänzen. Das Kartenwerk schließt an die bereits 1887 erschienene Karte des unteren Kongo an und verwendet denselben Maßstab. Das Blatt enthält auch Höhenangaben.

II. Blatt: 1. Abschnitt: Bunga ? Bungata, 2. Abschnitt: Lulanga ? Losengo mit 5 Nebendarstellungen 1:200.000 und einem Profil ?Gefäll des mittleren Kongo von den Stanley-Fällen bis zum Stanley-Pool. Nach den Baumann`schen Höhenmessungen?.
In: MGG, 32, 1889, Taf. XX. Mehrfarbenlithographie.

III. Blatt: 1. Abschnitt: Marundja ? Budza, 2. Abschnitt: Lukinga ? Jambinga, 3. Abschnitt: Loika ? Bijerre, 4. Ab-schnitt: Barumbu ? Stanleyfälle mit einer Nebenkarte 1:200.000. In: MGG, 33, 1890, Taf. XIX. Mehrfarben-lithographie.
Mit diesem 1890 veröffentlichten dritten Blatt schloss das Kartenwerk von Oskar Baumann über den mittleren Kongo ab. Es war das einzige des Kongostromes, das bis dahin in dem größeren Maßstab 1:400.000 veröffentlicht wurde. Das dritte Blatt stützte sich fast ausschließlich auf die Auf-nahmen der österreichischen Kongo-Expedition, da andere Aufnahmen fehlten. Mit diesem dreiblättrigen Kartenwerk wurde daher der Kongo-Schifffahrt ein enormer Dienst er-wiesen.

Obwohl über die österreichische Kongo-Expedition auch kürzere landeskundliche, petrographische und ethnograpische Studien der Expeditionsteilnehmer Oskar Lenz und Oskar Baumann veröffent-licht wurden, bilden die genannten Originalkarten das wichtigste Ergebnis der österreichischen Kongo-Expedition. Ihre Reproduktion ist daher 120 Jahre nach Rückkehr der Expedition durchaus ange-bracht, da diese Leistungen österreichischer Forschungsreisender im tropischen Afrika nur unzureichend bekannt sind.

6. Literatur

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* Univ.-Prof. Dr. Ingrid Kretschmer (1939-2011), Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien.